FULLY COMMITTED

by Becky Mode
10 Sept - 22 Oct 2005
 
 

Wiener Zeitung


Gelungenes Ein-Mann-Stück, das Aufmerksamkeit verlangt.

Damit das US-Starmodel Naomi Campbell nicht im falschen Licht speist, muss im Kellerloch eines Nobelrestaurants jemand sitzen, der sich der Sonderwünsche reicher, verwöhnter Gäste annimmt.

Im English Theatre ist das derzeit Jay Russell, der nicht nur als glückloser Schauspieler Sam dem Telefonterror der Möchtegern-Elite ausgesetzt ist, sondern auch die etwa 30 anderen Rollen in “Fully Committed” übernehmen muss.
Becky Modes schwarze Komödie über die High Society von New York ist eine Herausforderung für jeden Schauspieler, aber auch für das Publikum.
Russell hat seine Charaktere fest im Griff, wenn auch ein paar Personen zu wenig ausgeprägt sind – und damit schwer zu unterscheiden. Die Kontinuität der Akzente, Mimiken und Gesten hält Russell jedoch den ganzen Abend lang durch – ob als schüchterne japanische Sekretärin, hysterische Frau eines reichen Mannes, Chef des Restaurants oder Sams Vater.

Das Bühnenbild von James Wolk und Lichteffekte, die unter der Regie von John Going entstanden sind, helfen dem Publikum, sich in dem Ein-Mann-Stück zurechtzufinden.
Eine gelungene Persiflage auf die Welt der Reichen und ihre Probleme.

Barbara Ottawa
 

Die Presse


Broadway-Stück “Fully Committed” im English Theatre: virtuos.

Jay Russell ist derzeit der “Held des Abends” im Vienna’s English Theatre. Und das nicht nur, weil er als Einziger auf der Bühne ist. In einer One-Man-Performance bestreitet der US-amerikanische Schauspieler 40 Charaktere, alle paar Sekunden vom einen zum anderen wechselnd: ein stupend virtuoser, aberwitzig rasanter und außerdem sehr komischer Ein-Stunden-Marathon.

Das Broadway-Stück “Fully Committed” zeigt einen Tag im Leben des arbeitslosen New Yorker Schauspielers Sam Peliczowski, der in Manhattans beliebtestem Restaurant Telefondienst versieht: im Stich gelassen von den Kollegen, gepeinigt von den buchstäblich pausenlosen Anrufen begriffsstütziger, arroganter, intrigierender, schwerhöriger, gelangweilter oder von Alzheimer geplagter Damen und Herren aus der High-Society oder ihrer Sekretärinnen. Da trifft sich alt- und neureiche Penetranz. Auch Naomi Campbell’s Sekretär ruft mehrmals an – das ist notwendig, um sämtliche Sonderwünsche des Models zu deponieren.

Ein brutales Milieu: Jede Menge Kletten und Hyänen, die weder vor Drohung noch Bestechung zurückschrecken, um im letzten Moment einen Tisch zu ergattern. Der Zuschauer hört sie nicht nur, er glaubt sie auch vor sich zu sehen: Jay Russel wechselt wie per Knopfdruck nicht nur Tonfall, sondern auch Mimik und Gestik.

Man staunt über die Konzentration – bei der man sich entspannt zurücklehnen kann: In schnellem, aber bestens verständlichem Englisch wird hier federleichter Humor ausgegossen. Trotzdem kommt Mitleid auf mit diesem wackeren “proletarischen” Opfer moderner Arbeitswelt. Aber selbst das endet in märchenhaftem Wohlgefallen: Sams alptraumhafter Arbeitstag war wohl sein letzter: Am Abend erhält er die Nachricht, dass er für seine Traumrolle engagiert ist.

“Fully Committed” lief von 1999 bis 2001 äußerst erfolgreich off Broadway in New York, auch in Wien war es 2003 schon zu sehen. Es ist das erste Theaterstück der Drehbuch-Autorin Becky Mode, die für diverse Hollywood-Produktionsfirmen wie Disney oder Columbia Pictures gearbeitet hat.

ANNE-CATHERINE SIMON
14.09.2005
 

KURIER


Ganz normal verrückt

Bei “Stones in his Pockets” von Marie Jones beschwerte sich ein Zuschauer, er habe Verständnis für Sparmaßnahmen: Aber dass nun schon zwei Schauspieler allein 15 Rollen verkörpern, sei doch zu viel des Sparens. Vienna’s English Theatre läuft neuerlich Gefahr, dass einer den Witz nicht versteht. In “Fully Committed” von Becky Mode – 1999 bis 2001 erfolgreich Off-Broadway in New York – spielt ein Schauspieler, der sehr wandlungsfähige Jay Russell, rund 30 unterschiedliche Charaktere: Der vergnügliche Einakter beschreibt einen Tag im Leben des arbeitslosen Schauspielers Sam Peliczowski, der in Manhattans beliebtestem Restaurant Telefondienst hat. Exzentriker, Mafiosi, intrigante Damen, Promis, Reiche, Hochstapler, ganz normale Verrückte . . . Immer ist wer in der Leitung. Alle wollen einen Tisch. Sam jongliert sich virtuos durch. Grenzt die Typen holzschnittartig – über Akzent, Dialekt oder Mimik – voneinander ab. Man hat das Gefühl: Hätte ich seinen Job, ich würde mich erschießen. – Und kann doch viel lachen.

Werner Rosenberger
15.09.2005