There Goes the Bride
by Ray Cooney & John Chapman
Die Presse
Büstenhalter machen verrückt
“There goes the Bride” im Vienna’s English Theatre: vergnügter Verwechslungs-Wahnsinn.
Heiraten ist riskant. Jetzt einmal ganz abgesehen von “Drum prüfe, wer sich ewig bindet”. Jetzt einmal nur fokussiert auf die Feier selbst. Soll sie “repräsentativ” sein – mit Dutzenden Gästen, mehrgängigem Essen, Tanzkapelle und Schnickschnack -, kann eine Hochzeitsfeier Unsummen verschlingen. Dann ist es weniger von Vorteil, wenn der Brautvater am Hochzeitstag in einem Zwei-Phasen-Programm den Verstand verliert.
Das passiert nämlich in “There goes the Bride” von Ray Cooney und John Chapman im Vienna’s English Theatre. Werbefachmann Timothy Westerby zeigt ausgeprägte Zeichen von Überarbeitung. Ein Schlag auf den Kopf schließlich bereitet ihm eine Halluzination: Polly, eine junge Dame im frech-pinken 20er-Jahre-Fransenkleid. Sie ist seiner Idee für eine Büstenhalter-Werbekampagne entstiegen. Und nur er kann sie sehen.
In solch einer Situation dauert es freilich nicht lange, bis die anderen Familienmitglieder ihn völlig zu Recht für verrückt halten. Er selbst findet Gefallen an der neuen Gesellschaft. Immerhin fällt Polly auf, was seine Frau schon lang nicht mehr interessiert: etwa dass seine Augen auch ab und zu haselnussbraun changieren. Der turbulenten Aufregungen nicht genug, kriegt Timothy einen weiteren Schlag auf den Kopf. Und macht nun selbst einen Zeitsprung in die Zwanzigerjahre. Da mutiert das Stück endgültig zu einer wüst oszillierenden Verwechslungsfarce. Bei der auch der Bräutigam-Vater jede Menge Gelegenheit zu deftigem australischem Slang hat. Bis er als heulendes Elend im Eck kauert ob der beunruhigend zu Wahn in diversen Ausformungen neigenden Verwandtschaft, die da angeheiratet wird.
Gut dosierte Anzüglichkeiten, fröhlich stereotypisierende Figuren, spritziger Wortwitz – und ein professionelles Team spielt unter der Regie von Rex Garner: Leslie Lawton überdreht in der Hauptrolle, Judy Buxton als seine phlegmatische Ehefrau, eine tapfere Muriel Barker, die erst zwei Tage vor der Premiere als seitenhiebfreudige Großmutter eingesprungen ist. Louise Fullerton hat die undankbare Rolle der Braut, die großteils heulend aus dem Zimmer stürmt – und das in einem bedenklichen Sahnebaiser-artigen Kleid. Liebling des Abends ist aber John Hart Dyke als an der Grenze zur Demenz balancierender Großvater, der sich mit steigender Verrücktheit Timothys immer wohler fühlt. Ein Spaß.
CHRISTINA BÖCK
Wiener Zeitung
Komödie “There Goes The Bride” im English Theatre . .
Es hilft ein kleiner Schlag
Eigentlich könnte man sagen, es ist ein männerfeindliches Stück: Erst durch mehrere Schläge auf den Hinterkopf kommt Timothy Westerby zur Vernunft – aber nicht ohne vorher eine Halluzination von einer Frau aus den 1920ern zu haben.
Für Leute, die beim Lesen der Aufschrift auf idyllisch-kitschigen Ölgemälden, die derzeit Plakatwände der Stadt Wien zieren, nur nicken können, gibt es mit “There Goes The Bride” von Ray Cooney und John Chapman eine Theater-Alternative.
Ein lustiger Abend nach Strickmuster B: britische nicht-schwarze Komödie mit ein paar gelungenen Wortspielen und Überraschungseffekten. Garantiert frei von Denkanstößen und ohne sterbende Tiere.
Die Handlung – ein gestresster Ehemann sieht nach einem Zusammenstoß mit der Haustür am Hochzeitstag seiner Tochter plötzlich das Mädchen aus seiner letzten Werbekampagne, nach einem zweiten Schlag glaubt er, er ist mit ihr verheiratet und nachdem er aus dem Fenster fällt, ist alles besser als vorher – ist eigentlich nicht unbedingt so wichtig.
Gekonnt sind die Szenen zwischen der für alle anderen unsichtbaren Polly (Jennifer Walsh), dem Vater der Braut Timothy (Leslie Lawton) und anderen Familienmitgliedern. Klassisch ist die sich immer mehr steigernde Verwirrung, vor allem als noch der zukünftige Schwiegervater (Stan Pretty) auftaucht und sich der Freund der Familie (Jeffrey Holland) als Ehemann ausgeben muss. Brilliant ist John Hart Dyke als vergesslicher, tauber Großvater.
Ansonsten wirkte der erste Teil des Stückes bei der Premiere noch etwas unrund. Das mag aber auch daran gelegen sein, dass die Schauspielerin, die die Großmutter gibt, sich am Sonntag den Fuß gebrochen hat und deshalb kurzfristig umbesetzt werden musste. Muriel Barker hatte nur zwei Tage Probezeit und las deshalb noch vom Skript.
Aber bei ihr und so auch beim gesamten Stück konnte man das Potenzial für eine gute Komödie erkennen. Schon nach der Pause wirkte alles etwas lockerer und auch die Stimmen von Mutter (Judy Buxton) und Tochter (Louise Fullerton) klangen etwas weniger schrill.
Barbara Ottawa
Kurier
Vienna’s English Theatre: Fulminantes Saison- Finale in der Josefsgasse – die Farce “There Goes The Bride” der Erfolgsautoren Ray Cooney und John Chapman. Wenn Timothy am Hochzeitsmorgen seiner Tochter eine Halluzination namens Polly hat, die sonst keiner sieht, finden das Braut und Brautvater zum Heulen und führt das Tohuwabohu zu pikanten und grotesken Situationen. Die von Rex Garner rasant in Szene gesetzte Boulevardkomödie ist eine Lachnummer par excellence
(bis 3. 7. tgl. außer So, Karten 402 12 60-0).
ros