DONKEYS’ YEARS

Michael Frayn’s sparkling comedy
04 Feb - 15 March 2008
 
 

WIENER ZEITUNG


Klassentreffen auf Britisch

Die Schläfen der Herren sind schon angegraut. Der College-Abschluss ist immerhin 25 Jahre her. Zum Jubiläum treffen sich alle wieder in den alten Gemäuern der Universität und beziehen ihre ehemaligen Räume. Die Truppe ist bunt gemischt . Unter den Gästen befinden sich ein Staatssekretär, ein Chirurg, ein Wissenschaftler und ein Journalist.

Erst das Übliche: Schulterklopfen, Hände schütteln, Small Talk:“Weißt Du noch, damals?“. Doch dann macht der Alkohol aus den angesehenen Herren der Gesellschaft hormongesteuerte Halbstarke. Lady Driver (Sasha Waddell) ist mittlerweile die Frau des Rektors und hat sich von einer Partymaus in eine graue Maus verwandelt. Sehnsüchtig erwartet sie ihre Jugendliebe Roddy Moore und schleicht sich in sein Zimmer. Dort feiern aber die beschwipsten Gentlemen. Was als gediegener Abend beginnt, entwickelt sich zu einer feucht-fröhlichen Farce. Die Ereignisse geraten außer Kontrolle, und Lady Driver gerät in Bredouille.

“Donkeys’ Years“ (Verdammt lange her) ist eine wahnwitzige Komödie voll britischem Humor. David Warwick gelingt in seiner flotten Inszenierung die Balance zwischen Wortwitz und Slapstick. Das Stück entfaltet sich als federleichtes Lustspiel, in dem ein Spitzenensemble von einem Fettnäpfchen ins nächste tappt.

Lacher für die Dünndarmforschung

Keith Myers mimt die Mega-Tunte mit Seelsorger-Touch, Jeffrey Harmer spielt einen um seinen Ruf besorgten Politiker mit Bandscheibenproblemen. Besonders Clive Moore als schräger Außenseiter sorgt beim Publikum für schrille Reaktionen, wenn er leidenschaftlich die Methoden der Parasiten-und Dünndarmforschung schildert.
„Donkeys’ Years“ ist ein englischer Klamauk-Klassiker, der noch immer zum Brüllen komisch ist. 
  
Helene Kurz
 

DER STANDARD


Nach dem Briten Michael Frayn hat in „Donkeys’ Years“ (Regie: David Warwick) ein Bündel honorig gewordener Uni-Absolventen eine lasterhafte Reunionsfeier. Headingly (Jeffrey Harmer), Spitzenpolitiker und  letztlich an den Existenzrand gedrängte Hauptperson, und Chirurg Buckle (Martyn Stanbridge) stehen im kollegialen Kampf um das breiteste Gewinnerlächeln. Daneben drängen sich der quirlige Reverend Sainsbury (Keith Myers) und der sonst zugeknöpfte Quine (Mark Elstob) um Lacherfolge. Weiters Pressemann Tate (Will Ashcroft), der verrückte Biologe Snell (toll: Clive Moore) und Lady Driver (Sasha Waddell).

Das englischsprachige Ensemble agiert dabei großartig. für ein Publikum das nicht überrascht, aber solide unterhalten wird.
(pet)
 

KURIER

 
Eine zum Schreien komische, leichtfüßige Klamotte

An einem britischen Elite-College treffen sich, 25 Jahre nach ihrem Abschluss, die Kommilitonen von damals zur Jubiläumsparty.
Die turbulente Farce „Donkeys’ Years“ ist ein Generalangriff auf die Lachmuskeln.
Wenn sich die honorige Herrenriege rund um ein verrücktes Huhn (Sasha Waddell) ziemlich pubertär aufführt.

Wenn der feucht-fröhliche Abend sukzessive zu einer b’soffenen G’schicht entgleist.
Wenn John Hart Dyke very british das greise College-Faktotum Sidney Birkett gibt und Keith Myers die Schwuchtel im Seelsorger-Outfit.
Wenn die schwer kurzsichtige Lady irrtümlich an den bärtigen Sonderling K. Snell (Clive Moore) gerät, der sein Leben den Würmern geweiht hat und vom seltsamen Außenseiter zum schrägen Psychopaten mutiert.

Ein vergnüglicher Abend ohne überflüssigen Tiefgang.   
(Ros.)
 

DIE PRESSE


Pyjamaparty mit Zigarren

Für die Schauspieler ist es ganz sicher ein riesen SpaßxAuf der Bühne also: eine Hetz, eine Verwechslungskomödie. Nicht zuletzt: die Aufarbeitung früherer Liebesgeschichten, in deren Mittelpunkt Lady Driver steht – einst wildes Partygirl, heute scheinbar biedere Ehefrau des (derzeit abwesenden) Rektors. Sie ist das einzige weibliche Wesen, das durch Michael Frayns’ Stück „Donkeys’ Years“ flattert.

25 Jahre nach ihrem Collegeabschluss haben sich die Gäste in den dortigen, vertrauten Räumen zu einem „Klassentreffen“ eingefunden. Aus den ehemaligen Studenten sind lauter honorige Herren geworden, die Karrieren in Politik, Medizin, Kirche, Literatur etc. vorweisen können. Und die zugleich die für die Mitte des Lebens typischen Probleme haben. Die bewusst großzügige Alkoholzufuhr durch die College-Leitung soll übrigens ihre Bereitschaft erhöhen, für die Universität zu spenden.

College à la Cambridge

Wer College-Atmosphäre à la Cambridge mag und kennt, wird das Setting genießen. Wie etwa das Faktotum Birkett den Sherry serviert – süß oder trocken? -, wie man sich für das Abendessen in der Hall, vor dem lateinisches Tischgebet gesprochen wird, formell kleiden muss. All das ist ja heute immer noch so und bildet einen sympatisch-altmodischen Kontrast zur Forschung, die auf dem neuesten Stand ist.

Viel gibt es an diesem Theaterabend zu lachen – fast zu viel. Zügig, ohne jedwede Längen, geht die Vorstellung voranxder angegrauten Herrenrunde ist viel abzugewinnen. Hinter der Fassade des Erfolgs treten liebenswerte (Alters-)Schwächen zutage, in der College-Umgebung können die „Mittelalterlichen“ wieder jung werden und den Zwängen ihres etablierten Lebens entfliehen. Und wir Zuschauer mit ihnen.
(e.m.)