DEADLY MURDER
by David Foley
DIE PRESSE
Sex, Mord and the City
„Deadly Murder“: Krimispass im English Theatre
Die New Yorker Schmuckdesignerin Camille führt ein Leben, von dem viele Frauen in den besten Jahren träumen: Sie hat Erfolg, geniesst ihre Freiheit und gönnt sich kleine Freuden in Form von feschen jungen Kellnern, die sie als Betthupferl mit in ihr Loft nimmt. So weit, so getreu nach „Sex and the City“. Bis ihr so ein knuffiges Kerlchen namens Billy das Drehbuch auf einen Krimi in der Manier Agatha Christies umschreibt. Er weigert sich, nach dem One-Night-Stand zu verschwinden, und versucht, Camille zu erpressen. Der herbeieilende Wachmann Ted erweist sich als ein ihm höriger Komplize. Damit beginnt ein grausames Spiel um Leben, Tod und die Schatten der Vergangenheit.
Diese Extraportion Gänsehaut kann man sich im Vienna’s English Theatre abholen, wo der aktuelle Thriller „Deadly Murder“ des amerikanischen Autors David Foley nun einen Monat lang läuft. Vor allem im ersten Akt macht das auch richtig Spaß. Regiesseur Julian Woolford gibt ein rasantes Tempo vor. James Le Feuvre als krimineller Lustknabe und Andrew Loudon als sein linkischer Kompagnon wachsen nach holprigem Start recht gut in ihre Rollen, und Amanda Osborne zeichnet ein brillantes Porträt der abgebrühten Camille. Die Figur gibt auch einiges her: Bei manchen ihrer zynischen Bonmots lässt sogar Oscar Wilde grüßen – aus gebührender Distanz, versteht sich.
Eineinhalb unterhaltsame Stunden sind allemal garantiert, und eingerosteten Englischkenntnissen hat eine fachmännische Ölung im English Theatre noch immer gut getan.
gau
KURIER
Keine Leiche im Koffer – aber viele Leichen im Keller
Als wär’s ein Film von Quentin Tarantino beschert David Foleys Thriller „Deadly Murder“ in Vienna’s English Theatre dem Publikum veritable Schrecksekunden. Julian Woolford hat die verzwickte Geschichte fast filmisch, spannend und temporeich in Szene gesetzt.
Horrortrip Nichts ist, wie es scheint, als die Situation allmählich entgleist: James Le Feuvre (Billy) ist nur scheinbar der „handsome man“, gibt für die lebenslustige Schmuckdesignerin Camille den attraktiven „Charming boy“ für gewisse Stunden, zeigt kurz nackte Tatsachen und fortan ein irres Lachen.
Denn als sie ihn für seine Liebesdienste bezahlen will und ihm den Abschied gibt, ist er alles andere als „amused“, will er doch mit ihrer Hilfe nur eines: reich und berühmt werden.
Billy mutiert in der Story voller doppelter Böden und überraschender Wendungen alsbald zum Trotzkopf, dann zum kühl kalkulierenden Erpresser und endet schliesslich als Leiche im Koffer. Oder doch nicht?
Andrew Loudon als unterbelichteter Wachmann Ted entpuppt sich als verkappter Schwuler und Ex-Krimineller. Amanda Osborne verwandelt sich im grausamen Spiel von der abgebrühten Lady zum Mitleid erregenden Nervenbündel. Denn jeder im Drei-Personen-Stück hat seine dunkle Vergangenheit: Leichen im Keller. Und der Zuschauer seinen Spaß. Sehr sehenswert!
Werner Rosenberger
WIENER ZEITUNG
Bühnenthriller
David Foley könnte auch Drehbücher für gute Horrorfilme schreiben. Selten ist derart aufwühlende Gewalt auf der Bühne zu sehen, wie in „Deadly Murder“. Dabei geht der Autor gekonnt mehr subtil denn brachial vor, wobei er es dem Publikum überlässt, sich das Grauen vorzustellen anstatt es wirklich zu zeigen.(..)
Die ins Alter gekommene Camille wird in ihrer Wohnung überfallen. Von da an entspinnt sich zwischen der knallharten wie reichen Schmuckdesignerin und ihren Peinigern ein packendes Psycho-Spiel, in dem eine List die andere jagt und schließlich auch die dunkle Vergangenheit der Edelstein-Lady zu Tage gefördert wird.
James LeFeuvre verkörpert genial den wahnsinnigen Kidnapper, Amanda Osborne wechselt souverän zwischen einer um Selbstbeherrschung bemühten und doch furchtsamen Camille und Andrew Loudon gibt herrlich den leicht vertrottelten, labilen Sicherheitsmann Ted.
Genial aufgeführt, mit einem frischen Bühnenbild, fallen punktuelle Holprigkeiten nicht weiter ins Gewicht.
Alexander Mathé
KRONENZEITUNG
Thriller für Schnelldenker
„Deadly Murder“, ein Thriller aus der Feder des jungen US-Autors David Foley, bringt moderne Großstadtatmosphäre à la „Sex and the City“ und die knisternde Spannung Agatha Christies effektvoll unter einen Hut. Nun erlebt das Drei-Personenstück im Vienna’s English Theatre seine europäische Premiere.
Die erfolgreiche New Yorker Schmuckdesignerin (Amanda Osborne) ist gewohnt, sich zu nehmen, was sie will. Eine besondere Schwäche hat die abgebrühte Endvierzigerin für junge, gutaussehende Kellner in billigen Smokings.
Billy (James Le Feuvre), mit dem sie gerade ihr Schäferstündchen beendet hat, will – um jeden Preis – reich und berühmt werden. Camille ist aber alles andre als geneigt, ihm Nachhilfestunden zu geben. Als Billy aufsässig wird und nicht gehen will, ruft sie nach dem Wachmann Ted (Andrew Loudon). Doch sie hat fatalerweise Billys Entschlossenheit unterschätzt.
In der Inszenierung Julian Woolfords entspinnt sich nun auf der Bühne (Simon Scullion) ein rasantes Wechselspiel. Ein Wirbel von Absichten, Drohungen, Bluffs und Zweckbündnissen – spannend, brutal, manchmal schauerlich, aber auch komisch. „If/Then“ – so der Originaltitel des Stücks – stellt das logische Denken auf eine harte Probe. Für Schnellkombinierer!
Viel Lob für das Ensemble: Amanda Osbornes Darstellung der eiskalten, in die Enge getriebene Geschäftsfrau, die ihre Stellung mit Zähnen und Klauen verteidigt, geht unter die Haut. Ebenso James Le Feuvres diabolisches Bürschchen Billy und Andrew Loudons unberechenbar naiver Ted.
pht