the hilarious political satire
FEELGOOD
by Alistair Beaton
DIE PRESSE
Tony Blair und sein Spin-Doktor
“Feelgood” im English Theatre: eine amüsante Politpersiflage über die britische Regierungspartei.
“Männer und Frauen. Zusammen. In einem Körper. Der Weg der Zukunft. Hier. Jetzt. Ein neues England. Wir schaffen es. Gemeinsam.” So könnte doch die Rede des englischen Premierministers lauten, wenn bekannt wird, dass ein etwas doofes Regierungsmitglied versehentlich selbst fabrizierten Gen-Hopfen in Umlauf gebracht hat, der Männern Brüste sprießen lässt. Obiger Textvorschlag stammt von der spöttischen Journalistin Liz (gespielt von Amanda Osborne), die besagtem britischem Minister (Ray Gardner) auf den Fersen ist. Leider wird ihr Vorschlag nicht angenommen – der Premier zieht es vor, wenig später in seiner Rede den Tod einer “mutigen” Journalistin zu beklagen . . .
Um die feine Kunst des “Spin”, der modernen Erscheinungsform politischer Manipulation, geht es in der burlesken britischen Politsatire “Feelgood”, die derzeit im English Theatre zu sehen ist. Da wird der Zuschauer nicht nur in tiefschwarzen “britischen” Humor getaucht, sondern auch tief in den PR-Kochtopf des gegenwärtigen englischen Regierungschefs. “Chefkoch” am Vorabend des Parteitags ist der durchtriebene Pressesprecher Eddie (von John Higgins unschlagbar unsympathisch gespielt), der in einer Hotelsuite an der ultimativen Wahlkampfrede feilt, gleichzeitig (via Knopf im Ohr) die Debatte im Konferenzzentrum manipuliert und Journalisten mit Mini-Skandälchen von den wirklichen Skandalen ablenkt.
Alistair Beaton hat in den achtziger Jahren die TV-Politpersiflage “Spitting Image” mitgestaltet, in der Gummipuppen englische Politiker karikieren. Auch “Feelgood” karikiert unbekümmert, was das Zeug hält, bleibt dabei intellektuell strapazenfrei und bietet – dank der Schauspieler – an einigen Stellen feinstes Ensemblespiel. “Feelgood”: Dieser Aufforderung kann man aber auch aus einem anderen Grund folgen. Die manipulatorische Perfektion, die im Stück vorgeführt wird, wirkt nämlich hierzulande fast exotisch. Nein, denkt man, davon sind unsere Politiker noch weit entfernt – man sollte direkt dankbar sein . . .
ANNE-CATHERINE SIMON
KURIER
In der Küche der Macht
Ein mulmiges Gefühl macht sich breit: So schlimm ist Politik? Man hofft, dass nicht und fürchtet doch, dass es in Wirklichkeit genau so zu geht im Umfeld der Macht, wie von Alistair Beaton in “Feelgood” (bis 19. 3. tgl. außer Sonntag) gezeichnet. Seine bissige wie unterhaltsame Polit-Satire über die englische Regierungspartei in Vienna’s English Theatre – 2001 im Hampstead Theatre London uraufgeführt – hat im selben Jahr auch den “Evening Standard Award” für die beste Komödie gewonnen.
Allerlei spielt sich da ab hinter den Kulissen: Eddie (John Higgins), der karrieregeile Pressesprecher und Fiesling, der über Leichen geht, und Paul (Gregor Hunt) schreiben an der ultimativen Wahlkampfrede für den Premier am Parteitag und versorgen nebenbei die Presse mit Skandälchen, um von großen Katastrophen abzulenken. Es darf gelacht werden.
Denn Ähnlichkeiten mit Hintergründen – nein: Abgründen – der Realpolitik wären rein zufällig.
Ros
WIENER ZEITUNG
Rabenschwarze politische Satire
“Feelgood” ist das beste Stück, das das Vienna’s English Theatre seit langem inszeniert hat. Es durchbricht die leicht verstaubte Tendenz, die das Theater in letzter Zeit aufkommen ließ. Bei der jetzt laufenden Politsatire passt einfach alles und für den Zuschauer ist der Abend das reinste Vergnügen.
Die Komödiensensation von Alistair Beaton, die 2001 in London für Furore sorgte, ist auch in Österreich unter Leitung von Phil Young brilliant. Wenn die Politik an sich schon nicht besonders lustig ist, so tut es doch gut, wenn über sie gelacht werden kann.
Mit rabenschwarzem britischem Humor zeigt das Stück wie Politik abläuft. Die Bissigkeit, die dabei an den Abend gelegt wird, ist so brutal, dass manch einem das Lachen im Halse stecken bleiben kann.
Mit viel Herz, Charakter und einer fantastischen Körpersprache bringt die Truppe dem Publikum auf der ausdrucksstarken Bühne den tagtäglichen politischen Wahnsinn nahe. Im Mittelpunkt steht Eddie (John Higgins). Der aalglatt und beinharte Stratege zieht im Hintergrund von Premierminister DL (Jeffrey Harmer) die Fäden des Geschehens. Mit eiskalten Intrigen gängelt er jeden nach Belieben: Von seiner engagierten Ex (Amanda Osborne) bis hin zum Minister (Ray Gardner). Selbst den friedfertigen Redenschreiber Paul (Gregor Hunt) hält er an der kurzen Leine, indem er den Familienvater mit dessen homosexuellen Neigungen erpresst.
Sogar mit dem Ende, von dem ob des Themas Moralisierendes zu erwarten war, punktete das Stück. Zwar ergeht ein moralischer Fingerzeig in Richtung Publikum, Alistair verzichtet jedoch darauf, die Zuschauer mit dem sonst üblichen erhobenen Zeigefinger zu belehren. Absolut sehenswert.
Alexander Mathé
Krone
Heißer Tipp: “Feelgood!”
Was passiert in den Hinterzimmern der Politik, in Strategiebüros und Ghost-Writer-Stuben? „Feelgood“ von Alistair Beaton bringt im English Theatre Aufklärung: eine Politsatire, die zwischen bissiger Komik, trauriger Realität und abgeschminktem Idealismus pendelt. Zum Gaudium aller!
(…) Autor Beaton zielt auf jene lächelnden, populären Politiker, die Politik zur ideologiefreien Zone erklärt haben. Für jedes Problem gibt’s einen Sager: Hauptsache die Show läuft und die durchtriebenen Denker hinter dem Computerbildschirm haben Ideen.
Im English Theatre formt Phil Young Charaktere, die plastisch wirken. Er hält die Waage zwischen Komik und Biss. Kein Weichzeichner, aber auch keine politische Tragödie! Die Darsteller – u.a. John Higgins, Gregor Hunt, Ray Gardner und Amanda Osborne – spielen mit Tempo, Witz, Augenzwinkern. Sie wirken spontan. Wie auch die Abschlussrede des Premiers beim Parteitag…
Oliver A. Láng