A CAPITAL AFFAIR

a romantic comedy by Rich Orloff
24 MAY – 3 JULY 2010
 
 

Der neue Merker

Auf der Suche nach einem neuen Stück, das man hierzulande nicht kennt, ist die Dramaturgie von Vienna’s English Theatre bei einer angeblichen „Romantic Comedy“ gelandet, die 15 Jahre alt ist. Beide Angaben täuschen – es ist keine „romantische“ Komödie, sondern eine mit pointenreichem Dialog dahinstürmende scharfzüngige Geschichte, die Stars und ihre Eitelkeiten aufs Korn nimmt, daneben aber auch eine Diskussion über die Freiheit der Kunst entfacht, wie man sie hierzulande in dieser Form kaum noch auf der Bühne gesehen hat. Und zumal hat der Autor, der bei uns weitgehend unbekannte New Yorker Rich Orloff, beinahe noch ein Schlüsselstück geschrieben hat, das die Amerikaner im Jahr 1995 angesichts der Berühmtheit der Protagonisten vermutlich höchst amüsiert hat. 

Damals hieß das Stück noch „Veronica’s Position“, aber der Titel „A Capital Affair“ ist um einiges besser, wirkungsvoller und auch vielschichtiger. Denn das „Capital“ kann ebenso Washington meinen, wo die Geschichte spielt (mit einem stockkonservativen Senator als wichtigem Protagonisten), wie auch eine „Angelegenheit von großer Bedeutung“ meinen. Ja, und wer mit der Diva Veronica Fairchild gemeint war, erriet wohl jedes Kleinkind, so sehr war sie Elizabeth Taylor nachgeschneidert – dem Skandal-Filmstar mit der berühmten Vorliebe für Juwelen, mit dem versoffenen doppelten Ex-Gatten, mit dem sie tatsächlich nach der Scheidung noch auf der Theaterbühne stand (ach, Du großer, herrlicher Richard Burton), mit der Affäre mit einem Senator (im Leben hat sie John Warner tatsächlich geheiratet, im Stück nicht) – und mit ihrer berühmten, viel gepriesenen schützenden Hand, die sie über Homosexuelle hieltx Alles da. Mit den kleinen, nötigen Veränderungen, dass es keine Klagen geben konnte.

Hier ist Veronica also in Washington, um mit „Ex“ Philip in „Hedda Gabler“ auf der Bühne zu stehen, während sie privat ihr Verhältnis mit einem sie anbetenden Senator pflegt. Die Geschichte spielt in Veronicas Suite in einem Washingtoner Luxushotel und läuft auf zwei Ebenen. Einerseits geht es um sie, den Ärger mit dem genialen, aufgeblasenen Ex und der selbstbewussten „Hedda Gabler“-Regisseurin, andererseits spielt ihr liebenswerter, schüchterner schwuler Sekretär Alan  eine wichtige Rolle, dessen Freund provokante Fotografien vorlegt, gegen die der Senator – Veronicas Liebhaber, der ihr einen Heiratsantrag macht – nur wütend ins Feld ziehen kann. Die Diskussion darüber, wie weit die Politik die Freiheit der Kunst beschneiden darf, wird ziemlich hitzig geführt, aber Veronicas Entscheidung gegen den Senator fällt, als er Alan keine wahren Gefühle zutraut, den Homosexuellen also Menschsein und Menschenrecht abspricht. Da schickt ihn die Diva zum Teufelx was könnte sie sonst Richtiges tun?

Renate Wagner
27.05.2010
 

Kronenzeitung

Brillantes Liebesspiel

Viel Applaus und Gelächter bei der gelungenen Premiere von Rich Orloffs „A Capital Affair“ im Vienna’s English Theatre.
 
(…) Einem Happy End steht bald nichts mehr im Wege. Bis dahin begeistert Rich Orloffs Pointenjagd, denn Roger Forbes hat brillant Regie geführt, Amanda Osborne gefällt als souveräne Diva (sie sieht blendend aus in Abendrobe, im Schlafanzug, im kleinen Schwarzen, im Pelzmantel. Kein Wunder, dass ihr die Männer reihenweise verfallen: der elegante Philip (Michael Fenner), der ihretwegen das Trinken aufgegeben hat, der etwas knöcherne Senator (Martyn Stanbridge), der köstlich agierende Sekretär Alan (Vince Tycer), sein Freund (Alex Scott Fairley). Eine Traumbesetzung!

28.05.2010
 

Wiener Zeitung

Komik frei nach Liz Taylor und Richard Burton
 
Schön geordnet stehen die Getränke auf dem Regal der Washingtoner Hotel-Suite, außen Mineralwasser und Tonic, sich zuspitzend in die Mitte hin zu Bourbon – Gift für den alternden und unfreiwillig abstinenten Schauspieler Philipp. Eine Etage höher die Bildergalerie: Außen Haustiere, in der Mitte Ex-Präsident George W. Bush – ebenfalls unbekömmlich für den liberalen Schauspieler. Die Suite, in die Philipp platzt, gehört seiner zweifachen Ex-Frau, Film-Mimin Veronika, in die der Charmeur noch immer verschossen ist. Die hat ihre Hand aber einem republikanischen Abgeordneten versprochen, einem vehementen Gegner von Förderung “bizarrer” Kunst. Der versucht das Aufflammen der alten Liebe natürlich zu verhindern. Heillos schwierig wird das Ganze schließlich, als sich Veronikas Privatsekretär Hals über Kopf in einen Fotokünstler verliebt, dessen Werke dem Senator ein Dorn im Auge sind. 

(…) Die Stärke der Aufführung liegt in den Charakteren und pointierten Texten. Vom schlauen Phil über die zickige Veronica bis hin zum erzkonservativen Senator ist es ein Genuss, die Personen auf der Bühne zu sehen (wofür großteils den Protagonisten zu danken ist). Weiß man, dass Liz Taylor und Richard Burton die Vorlage zu den Hauptdarstellern lieferten, gewinnt das Stück an Reiz.

Alexander U. Mathé
05.06.2010